|
In
jüngster Zeit wird vermehrt auch in der
Tiermedizin Interferon eingesetzt. Da es sich
dabei um eine neuartige Therapie handelt, bieten
wir einige Informationen über Interferone und
das derzeit einzige für die Tiermedizin erhältliche
Produkt „Virbagen omega“ der Firma Virbac.
Was sind Interferone ?
Interferone sind Proteine,
die im Körper (bei Mensch und Tier) auf zellulärer
Ebene als Botenstoffe
dienen und daher zur Klasse der Zytokine
gezählt werden. Sie haben ein bestimmtes
Molekulargewicht und eine definierte Aminosäurezahl
und werden von verschiedenen Zellen im Körper,
wie z.B. Abwehrzellen (Leukozyten u.ä.) oder
Epithelzellen gebildet. Über Andocken an
bestimmte Rezeptoren anderer Zellen (Empfängerproteine)
entfalten sie über einen komplizierten
biochemischen Mechanismus ihre Aktivität
innerhalb der Zellen (auch außerhalb,
extrazellulär).
Es sind verschiedene Typen der Interferone
bekannt (je nach Andocken an unterschiedliche
Rezeptoren), die entsprechend unterschiedlich
wirken und therapeutisch eingesetzt werden können
(Typ I mit Subtyp alpha, beta, omega; Typ II mit
Subtyp gamma).
Wie oder was bewirken jetzt die Interferone ?
Interferone besitzen
1.)
einen antiviralen Effekt durch Hemmung
der Virusvermehrung,
2.)
einen immunmodullierenden Effekt durch
Aktivierung des Immunsystems und
3.)
einen antiproliferativen Effekt durch
Hemmung der Zellteilung z.B. bei Tumoren.
Therapeutischer Nutzen und Einsatz der
Interferone in der Medizin ?
In der Humanmedizin
werden mit Interferonen, z. B. mit dem Humanen
Interferon alpha, Hepatitis B u.C und diversen
Tumorerkrankungen wie Kaposi-Sarkom, chronisch
lymphatische Leukämie u. ä. behandelt. Humanes
Interferon beta wird neuerdings eingesetzt bei
Multipler Sklerose und schweren unbeherrschbaren
Viruserkrankungen wie Enzephalitis oder bei
immungeschwächten Patienten (z. B. AIDS). Bei
einer Autoimmunerkrankung, der chronischen
Granulomatose wird Humanes Interferon gamma
eingesetzt.
Seit Beginn der neunziger Jahre wird auch in der
Tiermedizin
der Nutzen der Interferone an Hunden und Katzen
besonders bei viralen Erkrankungen erforscht;
Ende der 90iger Jahre stand dann beginnend in
Japan das erste Interferon zur Verfügung.
Das für die Tiermedizin auf dem deutschen Markt
erhältliche Virbagen omega gehört zum Typ I
Interferon und hat eine besonders ausgeprägte
antivirale, neben weniger immunmodullierender
und antiproliferativer Aktivität.
Während bei bakteriellen Infektionen seit
vielen Jahrzehnten gut wirksame Antibiotika zur
Bekämpfung zur Verfügung stehen, gibt es bei
viralen Infektionen (mit wenigen Ausnahmen) kaum
effektive Medikamente oder gezielte
Behandlungsstrategien. Ein Schutz gegen Viren
wird hauptsächlich durch vorbeugende Impfungen
erzielt oder durch Stimulierung und Unterstützung
des Immunsystems, welches dann „allein“ mit
der Infektion fertig werden muss. Die
Interferone bieten erstmalig eine Alternative,
da sie in der Lage sind, die Virusvermehrung in
der Zelle zu hemmen.
Insgesamt ist der Einsatz der Interferone
in der Human- und Tiermedizin noch selten, wird
aber in den nächsten Jahren deutlich zunehmen.
Informatives über Virbagen
omega von Virbac!
Das Virbagen omega wird gentechnisch hergestellt
(rekombinates Interferon felinen Ursprungs, rFeIFN)
und ist derzeit in Deutschland nur zur
Behandlung des Hundes gegen Parvovirose
zugelassen. Es kann aber nach sogenannter
Umwidmung aus dem Arzneimittelgesetz auch bei
der Katze eingesetzt werden. Eine Zulassung für
den Einsatz bei der Katze wird nach Angaben des
Herstellers in Kürze folgen.
Anmerkung: in Japan ist das Mittel schon längere
Zeit bei der Katze zur Behandlung der FCV (Felines
Calicivirus) zugelassen.
Das Mittel ist nur über den Tierarzt erhältlich
und wird von ihm per Injektion angewendet. Die
Applikation erfolgt je nach Einsatzbereich in
unterschiedlichen Dosierungen und Intervallen
entsprechend dem Körpergewicht des Tieres und
erfolgen i.v. oder s.c. (in die Vene oder unter
die Haut). Das Mittel wird vor der Injektion
frisch gelöst und ist in Fläschchen mit 5ME
und 10ME (Millionen Einheiten) erhältlich.
Spezieller Einsatz bei der Katze ?
Der
Einsatz des Interferon omegas bei der Katze
resultiert aus diversen internationalen Studien
sowohl in Labors als auch in Kliniken und aus
Erfahrungswerten. Man kann davon ausgehen, dass
sich das Wissen um die Substanz oder ähnliche
Produkte in den nächsten Jahren noch erweitern
und entwickeln wird.
Wichtige
Information:
Der mögliche Einsatz bei nachfolgend aufgeführten
Erkrankungen und die erwartete Linderung der
Symptome oder Heilung ist natürlich von Fall zu
Fall unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig
(z. B. Art, Dauer, Grad der Erkrankung, Alter,
Pflege u. s. w.). Auch sollte und wird die
Interferon-Therapie selten als einziges
Medikament (Monotherapie) eingesetzt, sondern i.
d. R. gleichzeitig mit anderen Medikamenten (z.
B. Antibiotika) oder in Zusammenhang mit einer
Zahnsanierung bei chronischen Zahnfleisch- und
Maulentzündungen (GSO). Eine generelle Aussage
über den Erfolg oder eine Prognose über den
Heilungsverlauf kann daher nicht gemacht werden.
Auch kann ein wiederholter Einsatz des
Interferons außerhalb der angeführten Grenzen
nötig sein.
Hochgradig an FIP, FeLV oder FIV erkrankte Tiere
sind i. d. R. auch mit Interferon omega nicht zu
retten (Multiorganversagen etc.) und sollten
nach Abwägung des Falles durch den Tierarzt erlöst
werden.
Wie die bis jetzt durchgeführten Untersuchungen
und Erfahrungen (auch eigene Erfahrungen des
Verfassers) zeigen, kann der Einsatz von
Interferon omega bei vielen bisher nicht oder
schlecht behandelbaren viralen Erkrankungen
allerdings Linderung unterschiedlichen Ausmaßes,
bis hin zur Heilung erzielen.
Der Einsatz des Medikamentes muss immer dem
behandelnden Tierarzt und dessen spezieller
Einschätzung des individuellen Falles
vorbehalten bleiben.
Derzeitige Einsatzmöglichkeiten bei der Katze
mit empfohlenen Dosierungen (Millionen
Einheiten/je KG Körpergewicht s.c.):
1.)
Feline Parvovirose (FPV, Katzenseuche)
(2,5 ME/kg KGW 1 mal tägl. über 3 Tage)
2.)
Feline Calicivirose (FCV, beteiligt am
Katzenschnupfen-Komplex) (2,5ME/kg KGW 1mal tägl.
1.,3., 5.Tag)
3.)
Gingivitis-Stomatitis-Oropharyngitis-Komplex
(GSO): (wie 2.), incl. subgingivale
InjektionenAnmerkung: beteiligt an der
Entstehung des GSO-Komplexes sind virale
Infektionen mit z.B. Calici-, Immundefizienz (FIV)
-, felinen Spuma- und Herpesviren und sekundäre
bakterielle Infektionen.
4.)
Feline Herpesvirus (FHV-1) wie 2.), oder
als Augentropfen 5ME/10ml NaCl-Lösung
5.)
FeLV (Katzenleukose) (1ME/kg KGW 1mal tägl.
über 5 Tage)
6.)
FIV (Katzen-Aids) (wie 4.)
7.)
FIP (1ME/kg KGW alle 2 Tage, bis
klinischer Besserung, dann z.B. 1mal je Wo)
8.)
Immunstimulierend/modulierend (0,5ME/kg
KGW Tag 1., 3., 9.)
9.)
Prophylaxe (1ME/Kg KGW 1 Tag vor
Exposition)
10.)
Virale Welpendurchfälle (1ME/kg KGW
1malig, oder wie 1.)
Gibt es Nebenwirkungen oder Risiken der
Behandlung ?
Die
Nebenwirkungen besonders bei der Katze sind noch
nicht genau erforscht, treten aber selten auf.
Beim Hund wurde von folgenden möglichen
Nebenwirkungen berichtet: Hyperthermie (Fieber),
Erbrechen, leichte Abnahme der Blutzellen
(Leukozyten, Thrombozyten, Erythrozyten), die
nur vorübergehend auftreten.
Während einer Interferon-Therapie sollten
Impfungen unterbleiben, ebenso sollten keine trächtigen
oder laktierenden Tiere behandelt werden (es
liegen keine ausreichenden Untersuchungen darüber
vor).
Wie bei allen Medikamenten könnten allergische
Reaktionen oder Unverträglichkeitsreaktionen
nach mehrfacher Anwendung auftreten.
Beim Menschen werden auch psychische
Nebenwirkungen erwähnt, die bei Tieren
allerdings nicht beobachtet wurden und
vermutlich auf wesentlich höhere Dosierungen
und längere Behandlungsintervalle z. B. bei
Tumorpatienten zurückzuführen sind.
In Zukunft werden wir weiterführende
Untersuchungen, neue positive Wirkungen und auch
mögliche unerwünschte Wirkungen
(Nebenwirkungen) offenlegen können.
Nachteil der Therapie mit Virbagen omega ist der
hohe Preis. So kann für eine erwachsene Katze
nur der Medikamentenpreis für eine Injektion
(2,5ME/Kg) um die 100€ betragen. Eine vollständige
Therapie mit zusätzlichen Maßnahmen und
Diagnostik kostet entsprechend mehr.
Zusammenfassung
Für
Tierhalter und Tierärzte ist es erfreulich,
dass die Forschung und die pharmazeutische
Entwicklung immer wieder neuartige Medikamente
auf den Markt bringen. Interferon stellt eine
große Bereicherung in den Behandlungsmöglichkeiten
viraler Infektionen dar. Allerdings sollte vor
zu hohen Erwartungen der Tierhalter oder gar vor
Wunderheilungen von massiv an FIP/FIV oder FeLV
erkrankten Tieren gewarnt werden.
Bei sachgerechtem Einsatz kann das Medikament
sehr hilfreich sein und rechtfertigt auch die höheren
Kosten.
Quelle: Jennifer Reber
http://www.of-spacetigers.de
|